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1980 und 1984 erschienen im Suhrkamp-Verlag die beiden Bände seines Monumentalromans "Gertrud", in dem Schleef das Leben seiner Mutter in einem riesigen inneren Monolog schildert. "Gertrud" wurde von der Fachkritik anerkennend, zum Teil begeistert aufgenommen. Ebenfalls bei Suhrkamp erschienen der Fototextband "Zuhause" (1981), "Die Bande" (Erzählungen, 1982), die Stücke "Wezel" (1983) und "Die Schauspieler" (1986), der Bildtextband "Schlangen" (1986, zusammen mit Hans-Ulrich Müller-Schwefe), der Großessay "Droge Faust Parsifal" (1997, ausgezeichnet mit dem Bremer Literaturpreis 1998) und die Erzählung "Zigaretten" (1998, bereits 1989 ausgezeichnet mit dem Alfred-Döblin-Preis).
1985-1990 war Einar Schleef neben Dietrich Hilsdorf und Michael Gruner einer der drei Hausregisseure am Schauspiel Frankfurt während der Intendanz Günther Rühles. Obwohl gleich Schleefs erste Frankfurter Inszenierung, das Antikenprojekt "Mütter" (1986) nach Aischylos' "Sieben gegen Theben" und Euripides' "Die Schutzflehenden", von der Kritik heftig befehdet wurde, stand Günther Rühle zu seinem Regisseur. Schleefs zweite, kaum weniger umstrittene Regiearbeit, Hauptmanns "Vor Sonnenaufgang" (1987), wurde 1988 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 1988 brachte Schleef sein eigenes Stück "Die Schauspieler" zur Uraufführung. Als das Schauspiel Frankfurt nach dem Frankfurter Opernbrand 1988 ins Bockenheimer Straßenbahndepot umziehen mußte, entwickelte Schleef eine originelle, an dieses Haus angepaßte Bühnenbildlösung: "In seine Länge baute er einen großen breiten Steg, auf dem und unter dem man spielen und sich bewegen, auf den man hinaufsteigen, unter dem man sich verstecken konnte. Und am Kopf jeweils einen großen Aufbau, der Spiele in der höchsten Höhe möglich machte." (Günther Rühle) Auf dieser Bühne inszenierte Schleef Goethes "Ur-Götz" (1989) und Feuchtwangers "Neunzehnhundertachtzehn" (1990). Mit der Intendanz Rühles endete auch Schleefs Frankfurter Zeit. Die letzte Premiere der Rühle-Ära war eine von Schleef inszenierte Collage mit Texten aus Goethes "Faust" (1990). In seinen sechs Frankfurter Arbeiten entwickelte Schleef eine höchst eigenwillige Theatersprache, die sich nicht zuletzt auf die Verwendung von Chören stützt und die ihm sowohl den Ruf eines Genies als auch den eines "Regie-Berserkers" eingebracht hat.
1993 kehrte Schleef ans Berliner Ensemble zurück. Gegen den Widerstand des Autors, der erwog, die Premiere verbieten zu lassen, brachte er dort Rolf Hochhuths "Wessis in Weimar" zur Uraufführung. Die Kritik verriß das Stück und lobte die Inszenierung, die noch im selben Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Streitigkeiten zwischen den Intendanten Peter Zadek und Heiner Müller führten zur Kündigung Schleefs, der kurz darauf, im März 1993, einen mehrjährigen Regievertrag mit dem Berliner Schiller Theater abschloß. Die im Oktober 1993 erfolgte Schließung dieses Hauses verhinderte jedoch die Erfüllung des Vertrags. Ein bereits fertig geprobter "Faust" konnte nur in einer rudimentären Fassung auf den Stufen vor dem Schiller Theater gezeigt werden. Der später unternommenen Versuche, für diese Aufführung das Schiller Theater zu mieten oder die seinerzeit aufgebaute Berliner Stadtschloß-Attrappe zu bespielen, schlugen fehl. Nach dem Rückzug Peter Zadeks aus der Leitung des Berliner Ensembles holte Heiner Müller 1995 Schleef an diese Bühne zurück. Bei Brechts "Puntila" (1996) führte er nicht nur Regie, sondern übernahm auch selbst die Titelrolle. Als Schleef nach der Sommerpause eine bereits angesetzte Aufführung wegen zu spärlich bemessener Probenzeit platzen ließ, wurde ihm abermals gekündigt.
Mit seinen nächsten beiden Produktionen, "Salome" (1997) nach Oscar Wilde am Düsseldorfer Schauspielhaus und der Uraufführung von Elfriede Jelineks "Ein Sportstück" (1998) am Burgtheater Wien, wurde Schleef 1998 erneut zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Die "Sportstück"-Inszenierung, die in zwei Versionen - einer fünfstündigen Kurz- und einer siebenstündigen Langfassung - gespielt wurde, war äußerlich betrachtet der bislang größte Erfolg Schleefs. Sie wurde von der Zeitschrift "Theater heute" zur Aufführung des Jahres 1998 gewählt, bei einer Kritikerumfrage des österreichischen Wochenmagazins "profil" wurde "Sportstück" als zweitbeste Aufführung der Ära Claus Peymann am Burgtheater (1986-1999) genannt. Ebenfalls für "Sportstück" wurde Schleef 1998 mit dem 3sat-Innovationspreis und 1999 mit der Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnet. Claus Peymann ermöglichte Schleef noch zwei weitere Produktionen in Wien: "Wilder Sommer" (1999) nach Goldonis "Trilogie der Sommerfrische" im Burgtheater und die Uraufführung von Ulla Berkéwicz' "Der Golem in Bayreuth" (1999) im Akademietheater. Im Jahr 2000 arbeitete Schleef erstmals am Deutschen Theater Berlin, er brachte dort "Verratenes Volk" nach Texten von Milton, Nietzsche, Dwinger und Döblin zur Aufführung.
Bereits 1983 war mit "Berlin ein Meer des Friedens" am Theater der Stadt Heidelberg ein erstes Stück von Einar Schleef zur Uraufführung gekommen. Doch erst in den 90er Jahren fand der Dramatiker Schleef größere Beachtung. Das 1995 am Mecklenburgischen Staatstheater von Ernst M. Binder uraufgeführte Stück "Totentrompeten" wurde mit dem Mühlheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet. Ebenfalls 1995 wurde am Theater Nordhausen das Dichter-Drama "Wezel" uraufgeführt, 1997 brachte Schwerin den zweiten Teil der Totentrompeten "Drei Alte tanzen Tango", für 2000 ist dort der dritte Teil "Deutsche Sprache schwere Sprache" vorgesehen. Für 2001 kündigt der Suhrkamp-Verlag zwei Sammelbände mit den Stücken Einar Schleefs an.
Ausstellungen des Malers und Fotografen, Plakatentwürfe und Buchillustrationen u.a. für den Suhrkamp-Verlag runden das Bild der Künstlerpersönlichkeit Schleef ab. Zusätzlich zu den erwähnten Auszeichnungen erhielt Einar Schleef 1990 gemeinsam mit B. K. Tragelehn den Fritz-Kortner-Preis.
Stand: September 2000. wb
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